Filipa Pato - Biodynamische Weine in Bern

Das Angebot bei vinvino.ch lässt sich trinken und bereitet Genuss-Spass.

In der Weinbar Bern cipio.ch trifft man sich zum Weingenuss.

Filipa Pato

Biodynamische Weine pur aus Ois do Bairro,

Jedes Jahr sendet uns Filipa Pato einen Bericht des vergangenen Jahres, diesen erwarten wir immer mit besonderem Interesse, ein Spiegel über die Biodynamik im Weinbau.

Übersetzung aus dem Englischen von Kerstin Fussen vinvino.ch / cipio.ch


Filipa Pato – 2020 – Das «Hasen-Jahr»


Nach einem normalen Winter und einem späten Frühling war das Wetter in der Bairrada im Mai und Juni ziemlich nass. Im Juli wurde es dann nicht heiss, aber warm, und auch der August war einigermassen warm. Im September hatten wir wiederum tolle Wetterverhältnisse, welche sich bis zum Ende des Monats hielten. Im Jahr 2020 haben wir relativ früh geerntet. Bis zum 18. September war alles im Keller.

All das deutete auf eine «klassische» Ernte hin. Bei den Schaumweinen lief alles wie am Schnürchen, die Trauben waren von exzellenter Qualität. Dasselbe kann man auch von den Weissweinen sagen, welche jetzt nach den Fermentationen sehr gut aussehen. Auch in den Baga-Rebbergen sah alles grossartig aus. Wir hatten eine ansehnliche Ernte von exzellenter Qualität.

Zu allerletzt blieb uns noch das Ernten der Baga-Trauben in den «alten Reben». 3 Tage vor dem gesetzten Ernte-Termin gingen wir zusammen mit unserem Team zur Kontrolle durch die alten Reben. Sie sahen wunderbar aus. Die Trauben hatten eine schöne Säure, zeigten sich in schön dichten Trauben und waren schon fast bei der von uns gewünschten Reife angelangt. Unsere Enttäuschung war enorm als wir 3 Tage später mit unseren Erntehelfern in die alten Reben kamen und keine Trauben mehr sahen …

So etwas haben wir bisher noch nicht erlebt. Wir wurden Opfer einer Hasen-Attacke. Die untersten 30 cm unserer alten Reben waren praktisch leer gefressen. Unsere Nachbarn, welche ihren Wein auf die herkömmliche (also nicht biodynamische) Weise herstellen und anbauen, hatten keinerlei Schaden. Aber wir auf der anderen Seite … einfach unglaublich! Diese Hasen müssen echte Connaisseurs sein! Für uns wurde 2020 deshalb nicht nur zum Jahr der Pandemie, sondern auch zum Jahr des Hasen.

Wenn man nach biodynamischen Prinzipien arbeitet zieht man auch automatisch mehr wilde Tiere an, da sie immer auf der Suche nach Nahrung sind. Uns ist jetzt nur allzu bewusst geworden, dass zur Erntezeit die grosse Hitze und das hohe Gras schon verschwunden sind, die Tiere aber natürlich immer noch nach Nahrung suchen. Verständlicherweise fressen sie also auch diese leckeren Baga-Trauben!

Wir müssen einen natürlichen Weg finden um diesen wilden Tieren genügend Wasser zur Verfügung stellen zu können. Sehr oft bekommen wir Füchse, Eichhörnchen, Wildschweine und eben auch wilde Hasen zu Gesicht. Auch die Vogelwelt ist sehr üppig: Wildenten, Waldschnepfen, Falken, Habichte, Bussarde – letzthin sahen wir sogar einen Adler.

Das ist also der Grund weshalb wir im Jahrgang 2020 weder «Nossa Baga Vinhas Velhas» noch «Post Quercus Baga» produzieren werden können. Auf der anderen Seite werden wir aber tollen «Missao» erhalten und auch «Territorio Vivo» können wir produzieren; zum Teil von den wenigen Trauben, die wir in unseren alten Reben ernten konnten und zum Teil von anderen Baga-Rebbergen, welche wir vor Kurzem übernommen haben. 2020 wird für Weiss- wie auch für Rotweine ein grossartiger Jahrgang werden. Und trotzdem wird er sich für immer in unsere Erinnerung einbrennen …

Es gibt aber auch gute Nachrichten! Wir haben endlich die Demeter-Zertifikation erhalten. Damit werden wir in der Bairrada zum ersten Ecocert und Demeter zertifizierten Produzenten. Für dieses Ziel haben wir in den letzten Jahren sehr hart gearbeitet und sind jetzt umso glücklicher, dass wir es erreicht haben. Es war wirklich eine Herausforderung, weil es in unserem stark Atlantischen Klima mit der ewigen Bedrängnis durch den Falschen und Echten Mehltau nicht einfach ist, auf eine biodynamische Weise anzubauen. Aber was wäre das Leben schon ohne Herausforderungen!

Um noch dynamischer zu arbeiten und noch mehr Biodiversität zu kreieren, haben wir einheimische Gallega-Olivenbäume und Medronho-Erdbeerbäume rund um die Rebberge gepflanzt. Auf diese Weise erhalten wir einerseits einen natürlichen Schutz vor den Herbiziden und Pestiziden einiger unserer Nachbarn und locken andererseits noch mehr Insekten an – vor allem Bienen. In der Zukunft möchten wir in limitierter Auflage unser eigenes Olivenöl und vielleicht ja sogar Honig herstellen.

Schon vor ein paar Jahren haben wir damit begonnen, unsere Rebberge während dem Winter von Schafen bewirtschaften zu lassen. Dadurch entstehen für uns einige tolle Vorteile. Schafe sind sehr gut darin, Unkraut im Zaum zu halten. Gleichzeitig lockern und belüften sie die Böden und bereiten sie so für eine natürliche Düngung vor. Dieses Projekt führen wir in einer engen Zusammenarbeit mit einem einheimischen Schäfer und auch hier haben wir weiter investiert.

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass Filipas erste Ernte als alleinige Produzentin im Jahr 2001 war, weshalb wir uns im Jahr 2021 auf unser 20-jähriges Jubiläum freuen dürfen. Wir hoffen, dass auch ihr den Herausforderungen im kommenden Jahr mit Optimismus, Mut und Hoffnung begegnet. Wir wünschen euch ein wundervolles 2021 und von unserer Seite gerne ein Jahr ohne Hasen im September!


Alles Liebe aus der Bairrada


Filipa & William

Bagaterroiristas


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